Zeitkapsel 2546: "Ein Anführer steigt empor"

 

Alyssa Jamali kam zu spät. Sie war letzte Nacht eingeschlafen, während sie an ihren Chemiehausaufgaben arbeitete, so dass sie ihren Aufsatz für den Politikwissenschaftskurs auf dem Weg zum Unterricht diktieren musste. Der Hohe General Messer hatte eine Rede am Denkmal für die Opfer des Bombenanschlags auf Cestulus gehalten und Mr. Kent verlangte nun eine einseitige Zusammenfassung dieser Rede.

 

 

Beginn des Diktats

 

Alyssa Jamali

 

Poli-Sci / Kent / 45Bcf

 

Aufgabe : Die Rede des Hohen Generals Messer

 

 

Die Systeme fallen auseinander. Seit der Krieg vorüber ist, stehen wir einer neuen Bedrohung gegenüber, einer Bedrohung, welche man weder auf dem Schlachtfeld noch mit einer Armee von Raumschiffen bekämpfen kann. Dieser Krieg wird im Geheimen geführt und seine Waffen sind Drohungen und Sabotage.

 

So lautete die Botschaft vor acht Monaten. Sechs terroristische Anschläge, die während des vergangenen Jahres verübt wurden, hatten jeden Bürger der Vorstellung beraubt, dass mit dem Sieg über die Tevarin auch der Frieden gekommen wäre. Das Volk wollte Antworten, und wichtiger noch, das Volk wollte die Gewissheit haben, dass das Tribunal die Situation unter Kontrolle bringen würde. Das Volk bekam weder das Eine noch das Andere.

 

Die Advokatur konnte die Täter niemals stellen. Das Einzige was sie wussten, war, dass die Bomben teilweise unter Verwendung von Xi'An-Technologie gebaut worden waren. Währenddessen debattierte das Tribunal ihre weitere Vorgehensweise in völliger Untätigkeit.

 

Also fielen die Systeme auseinander. Das Tribunal hatte versagt. Die Menschheit brauchte einen Anführer. Die Lösung? Man wählt und besetzt eine neue Position, einen „Obersten Bürger“, dessen einzelne Stimme in einer überlasteten Regierung den Ausschlag gibt.

 

Bürger aus allen Systemen bewarben sich für diesen neuen Posten. Jede Woche, so schien es, gab es einen neuen Kandidaten, welcher dieselben Versprechungen wie seine Vorgänger machte. Dies dauerte einige Monate an. Als die Wahl näher rückte, kündigte der Hohe General Messer seine Kandidatur an. Gestern sprach er auf der Gedenkfeier für die Opfer des vierten Anschlages.

 

Menschen. Bürger. Ich stehe heute vor Ihnen als ein Mann, der glaubt. Ich glaube, wir haben eine große und strahlende Geschichte. Ich glaube, es gibt für uns noch viele Wunder zu entdecken. Ich glaube an die Menschheit.

 

Doch wir haben Feinde, welche uns zerstören wollen. Welche uns unseren Aufstieg übelnehmen. Welche darauf hinarbeiten, uns von den Sternen zu vertreiben. Die boshaften Angriffe auf unsere Systeme waren erst der Anfang. Als Soldat, der die Hölle des Krieges erlebt hat, sage ich dies nicht leichtfertig. Wir müssen uns schützen. Unsere Familien. Unsere Zukunft. Wir müssen verteidigen, was rechtmäßig unser ist.

 

Ich will keinen weiteren Krieg. Zu viele Töchter und Söhne, Ehefrauen und Ehemänner sind schon in der Eiseskälte des Universums verloren gegangen oder auf kargen Planeten gefallen. Aber ich sage Ihnen dies, ich würde jeden Planeten, jedes System und jeden Sprungpunkt mit Schilden und Draht kilometerdick umgeben, wenn das bedeute, dass wir keine Weiteren verlieren würden.

 

Ich bin immer ein Soldat der Menschheit gewesen. Geben Sie mir die Chance, Sie zu beschützen und die Bedrohung durch Spezies, welche nicht so zivilisiert und friedliebend sind wie wir, von Ihnen abzuwenden. Damit wir unseren rechtmäßigen Platz in der Galaxis einnehmen können.

 

Glauben Sie an mich, so wie ich an Sie glaube. Glauben Sie an die Menschheit!

 

Die Menge liebte ihn. Höre ich nun seine Rede, so erkenne ich, dass er mit einer Überzeugung spricht, die es einem einfach macht, ihm Glauben zu schenken.

 

Kurz, ich stimme ihm zu. Wenn große Macht zu gleichen Teilen an drei Personen verteilt wird, geht damit von Natur aus ein Problem einher. Es ist zwar von Vorteil, eine solche Struktur in Zeiten des Friedens anzustreben, jedoch leben wir in einer gefährlichen Zeit. Entscheidungen müssen häufig schnell und effizient gefällt werden. Mir ist bewusst, dass dies wie der erste Schritt in Richtung Absolutismus klingt, jedoch bleibt das System ja bestehen. Die Methode, welche sie vorschlagen, beinhaltet weiterhin die Ämter des Hohen Generals, des Hohen Advokaten, des Hohen Sekretärs und sogar des Senates. Sie alle beraten den Obersten Bürger, welcher in letzter Instanz die Entscheidungen trifft.

 

Wie der Hohe General Messer sagte, nachdem er den Antrag für die Schaffung der Position des Obersten Bürgers ankündigte, „ jedes Schiff braucht einen Kapitän.“

 

 

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