Galactic Guide: Leir

Leir ist ein unbeanspruchtes System, von dem einige einst annahmen, es würde sich zu einer wichtigen Drehscheibe für die Menschheit entwickeln. Es wurde von einem ICC-Scan-Team entdeckt, das im Jahr 2677 das Banshee-System erkundete und begeistert war, einen Sprungpunkt zu einem Hauptreihenstern des Typs A mit drei mineralienreichen und potentiell bewohnbaren Planeten zu finden. Die initiale Einschätzung des Systems befeuerte das Interesse sowohl im öffentlichen als auch privaten Sektor. Imperator Illyana Messer VI, die zu diesem Zeitpunkt immer noch mit der Festigung ihrer Macht beschäftigt war, entschied sich, keine Ressourcen für das System bereitzustellen, wodurch Leirs offizieller Status im Ungewissen blieb.


Hobby-Schürfer und Glücksritter strömten dennoch in das System. Viele von ihnen kehrten nicht zurück. Seltsame Geschichten machten die Runde und das System bekam bald einen schlechten Ruf, sowohl aufgrund seiner Gefahren als auch wegen dem Mangel an grundlegenden Dienstleistungen. Im ganzen System gab es nur eine einzige wirklich dauerhafte Siedlung. Gelegen auf dem zweiten Planeten war die Siedlung Leir ein Nexus für gestrandete Reisende, gierige Bergbauarbeiter, flüchtige Kriminelle und arbeitslose Söldner, alle auf der Suche nach ein paar Credits. Obwohl die Siedlung schließlich durch das Terraforming des Planeten ausgelöscht wurde, hatte sich der Name in den Köpfen der Menschen so fest etabliert, dass er nun dem ganzen System seine Bezeichnung gab.

Im Jahr 2743 entschied sich Galor Messer IX aus dem noch immer unbeanspruchten System Kapital zu schlagen und öffnete die Schleusentore des kommerziellen Fortschritts. Um sein Vermächtnis – eine fundamentale Neugestaltung der Regierungsgebäude der UEE – finanzieren zu können, autorisierte er die Versteigerung einer Terraforming-Genehmigung für Leir II, dem offenkundigen Kronjuwel des Systems. Das erfolgreiche Gebot war so hoch, dass viele an einen Fehler glaubten. Wie sich herausstelle, war es keiner.

Mit diesem aggressiven Gebot betrat Hatfield & Harding die Bühne der UEE, ein neues Gemeinschaftsunternehmen zwischen Clarence Hatfield, einem exzentrischen Billionär von Lo, und Olive Harding, einem Selfmade-Bergbau-Baron. Die beiden hatten für den Planeten große Pläne – jetzt brauchten sie nur noch jemanden, der diese umsetzte.

Der neue Doktor

Hatfield und Harding durchkämmten das Universum und fanden schließlich Dr. Marcus Fayel, einen Terraforming-Experten der UPARQ (University of Persei Analytical Research and Quantification). Seine Kollegen beschrieben ihn als genial, charismatisch und ideal für die Position. Dr. Fayel hatte den Job schon vor Ende seines Einstellungsgespräches in der Tasche.

Sobald die Operation angelaufen war, etablierte Dr. Fayel die erste Terraforming-Kolonie von Leir II direkt auf der Mineralienhauptader des Planeten. Und es sollte nicht lange dauern, bis eine illegale Bergbauoperation ihren Betrieb aufgenommen hatte. Über viele Jahre gelang es Dr. Fayel, die Operation vor Hatfield und Harding geheim zu halten und den Gewinn in seine eigenen Taschen und die seiner Partner zu schleusen, die die Operation überwachten. Niemand weiß genau wann, doch der Stress der Beaufsichtigung eines gewaltigen Terraforming-Projekts und die Geheimhaltung einer illegalen Bergbauoperation setzte Dr. Fayel irgendwann zu.

In 2803 kürte der Vorstand von Hatfield & Harding Dr. Fayel zum „Mitarbeiter des Jahres“. Er lehnte die Einladung ab, die Auszeichnung persönlich im Empfang zu nehmen, und sandte dem Festbankett stattdessen eine Video-Nachricht. Darin wiederholte Dr. Fayel ein ums andere Mal die Worte „Reinheit der Bestimmung“ und sprach in vollmundigen Worten über die Welt „die ich kreiere“.

Doch niemand zuckte mit der Wimper. Laut mehreren Gästen des Banketts war Dr. Fayel schlecht zu verstehen, aufgrund der Lautstärke der Vorstandsmitglieder, die mehr damit beschäftigt waren, sich zu betrinken als Dr. Fayel zuzuhören.

Am 3. Mai 2812 verlor das Unternehmen schlagartig jegliche Verbindung zu ihren Operationen auf Leir II. Ein paar Stunden später wurde eine sich wiederholende Nachricht vom Planeten ausgesendet. Dr. Fayel, völlig in weiß gekleidet, stand im Vordergrund, während Reihen von Arbeitern hinter ihm in perfekter Ordnung aufgestellt waren. Er verkündete, dass die „Säuberung“ des Planeten abgeschlossen war, dieser jedoch in seiner Hand verbleiben würde. Er hielt eine ausschweifende  Rede über die Hybris des Menschen und erklärte seine Absicht, seine Anhänger vom Rest der Gesellschaft zu isolieren. Dr. Fayel endete schließlich mit der Erklärung, dass seine Absichten zwar friedvoll seien, seine Anhänger den Planeten jedoch bis zum Tod gegen einen Sturz ihrer Herrschaft verteidigen würden.

Hatfield und Harding waren außer sich. Das Unternehmen machte seit Jahrzehnten Verluste und benötigte dringend eine Einnahmequelle. Still und heimlich kratzten sie etwas Geld zusammen und heuerten Söldner an, um den Planeten zurückzuerobern. Archivmaterial sollte später enthüllen, dass die Unternehmensführer anzweifelten, ob die Arbeiter weiterhin hinter Dr. Fayel stehen würden, wenn es hart auf hart kam. Sie hatten keine Ahnung, wie falsch sie damit lagen.

Auch wenn niemand genau weiß, was an dem Tag geschah, als die Söldner angriffen, zeichnen verstreute Nachrichten zwischen ihnen ein hinreichend klares Bild. Die eindringenden Streitkräfte traten in die Atmosphäre ein, landeten und fanden das Bevölkerungszentrum verlassen vor, nur um aus dem Hinterhalt überfallen zu werden, nachdem sie sich aufgeteilt hatten, um nach Dr. Fayel zu suchen. Der Angriff war so ausgelegt, dass er die Söldner von ihren Schiffen weglockte, um diese intakt erobern zu können. Einige glauben, dass diese Schiffe das Rückgrat der Flotte darstellen, die den Planeten bis zum heutigen Tag patrouilliert und beschützt.

Nachricht von der fehlgeschlagenen Operation machte schnell die Runde und Hatfield und Harding wurden vor ein Senatsunterkomitee geladen, um die Ereignisse zu erörtern. Das Vertrauen der Anleger fiel zusammen mit dem Aktienpreis in den Keller. Der Bankrott des Unternehmens sollte nicht lange auf sich warten lassen und das Schicksal von Leir II verblieb in den Händen von Dr. Fayel.

Währenddessen hielt sich die UEE vom System fern, da es offiziell nicht beansprucht war. Hatfield und Hardings Versuch, den Planeten zurückzuerobern, bewies nur, dass die Einwohner bereit waren, bis zum Tod zu kämpfen, um ihr neues Zuhause zu verteidigen. Und nachdem die Messers erst vor kurzem von der Macht verdrängt worden waren, schreckte die UEE davor zurück, das Militär einzusetzen, um dem Volk ihren Willen aufzuzwingen, wie es zuvor das Messer-Regime getan hatte.

Bis zum heutigen Tag gibt es viele Theorien, doch wenig ist wirklich darüber bekannt, wie es Dr. Fayel gelang, die Arbeiter davon zu überzeugen, ihm bei der Ausführung dieses großen Experiments beizustehen. Einige glauben, es waren Jahrzehnte der meisterhaften Informationsmanipulation und Gehirnwäsche. Andere fragen sich, ob ein unbekanntes Ereignis eine Massenpsychose bei den Arbeitern ausgelöst hatte, die in einer extrem stressreichen Umgebung arbeiteten. Unterlagen, die von Hatfield und Harding gesichtet wurden, zeigten, dass in den letzten fünf Jahren des Projekts kein einziger Arbeiter darum gebeten hatte, den Planeten zu verlassen. Es ist unklar, ob wirklich alle an Dr. Fayel glaubten oder ob jene mit abweichenden Stimmen eingesperrt wurden oder ihnen sogar ein noch schlimmeres Schicksal zuteilwurde. Nach der Söldnerinvasion waren Dr. Fayel und seine Jünger praktisch vom Rest des Universums abgeschnitten, was ihnen den Namen einbrachte, der auch heute noch verwendet wird, um sie zu beschreiben – die Outsider (Außenseiter).

Das Leir-System ist  seitdem nach und nach verkümmert. Seine Infrastruktur wird nicht erneuert und es mangelt ihm noch immer an traditionellen Handelsrouten und Geschäftsmöglichkeiten, was Leir zu einem der faszinierendsten Systeme überhaupt macht.

Leir I

Dieser kleine Gesteinsplanet ist von Natur aus bewohnbar, aber aufgrund seiner fehlenden Infrastruktur und Einrichtungen kein idealer Lebensraum. Eine kleine Bergbaubevölkerung nennt es Heimat und handelt gerne mit Transportschiffen.

Leir II (Mya)

Nachfahren der ursprünglichen Outsider kontrollieren Leir II noch heute, jedoch nennen sie den Planeten Mya. Einige von Dr. Fayels kompromisslosen Haltungen wurden zwar seit seinem Tod abgeschwächt, doch begegnen die meisten Einwohner Besuchern noch immer mit Verachtung und der größte Teil des Planeten gilt für Besucher als „Verbotener Bereich“. Einige sind bereit, Waren zu verkaufen, aber alle weigern sich, selbst etwas zu erwerben.

Einige Besucher finden das Fehlen von geschäftigem Treiben verstörend, während andere es als beruhigend empfinden. Selbst ohne den Reiz des Handels ist der Planet allein wegen seiner atemberaubenden Gebirgszüge schon einen Besuch wert. Es ist einfach nachzuvollziehen, warum so viele dies für ein Paradies hielten, das es wert ist, vor dem Universum geschützt zu werden.

Die Bevölkerungszentren dieses „puren“ Planeten sind einzigartig. Aufgrund des Mangels an Baumaterial von anderen Welten des Universums bestehen viele Bauwerke aus den gleichen Gesteinstypen oder wurden sogar direkt in die Berghänge geschnitten.

Leir III

Der dritte Planet des Leir-Systems ist ein äußerst ressourcenreicher, felsiger Himmelkörper. Frühe Scans entdeckten einen Überfluss an Grafit und Kristallen, was viele Bergwerksbetreiber ermutigte, die Landung auf dem Planeten zu riskieren, ungeachtet der tödlichen Stürme, die die Oberfläche heimsuchen.

Heute besitzt der Planet keine dauerhaften Siedlungen, da die einheimischen Sandwürmer, bekannt als Valakkar, eine Vorliebe dafür zu scheinen haben, diese zu zerstören. Einige mutige Bergbauarbeiter und Kriminelle leben über den Planeten verstreut in temporären Camps, doch die meisten  bevorzugen eine nomadische Lebensweise, um den Stürmen und Würmern einen Schritt voraus zu sein.

Reisewarnung

Obwohl die Outsider äußere Einflüsse scheuen, sollte man nicht glauben, dass sie nicht über die Ausrüstung verfügen, um sich selbst zu verteidigen. Eine lokale Miliz patrouilliert den Planeten in zuverlässigen, wenn auch alternden Schiffen und sie haben keine Angst, all diejenigen anzugreifen, die sie als Bedrohung wahrnehmen.

Stimmen im Wind

“Als ich dort stand und bestaunte, was ich als die Herrlichkeit der Menschheit wahrnahm, traf mich ein Gedanke und durchschlug meinen Schädel wie ein Nagel aus Licht. Nur durch die Reinheit der Bestimmung kann ein Planet wie dieser erschaffen werden, so dass er nicht nur überlebt, sondern gedeiht. Ich war vom rechten Weg abgebracht worden. Ich glaubte, ich wäre rechtschaffen. Ich war es nicht. Aber ich werde es sein.“

– Dr. Marcus Fayel, Hatfield & Harding Dankesrede “Mitarbeiter des Jahres”, 2803

„In diesem System gibt es das Potential für wahre Größe. Insbesondere die zweite Welt besitzt atemberaubende Landschaften, scheint geradezu in Ressourcen zu schwimmen und ist Reif für das Terraforming. Sollte jemals ein leichter Zugang in das System geschaffen werden, so muss die UEE alles tun, um sicherzustellen, es für sich zu vereinnahmen.

– Katherine Oliver, ICC Stellar Surveyor‘s (Stellare Kartographen) initiale Einschätzung, 2677

Übertzung:  Malu23   Korrektur:  Mistanuda_Spaceworks   Originaltext