Galactic Guide: Caliban

In den Augen der heutigen Jugend ist Caliban schon immer ein Vanduul-System gewesen. Sie haben keine Erinnerung daran, dass es einst das Zuhause von Millionen von Menschen gewesen ist, sondern kennen das System nur als einen Ort, an dem die Harvester der Vanduul Welten verwerten, die wir gezwungen waren, zu verlassen. Dennoch kennt ein jeder die Geschichte vom Fall des Caliban-Systems im Jahr 2884. Die hastige planetenweite Evakuierung. Die in Panik versetze Öffentlichkeit, wodurch sich die Situation nur noch verschlimmerte. Ereignisse, die das Imperium so sehr schockiert haben, dass sich viele für immer daran erinnern werden, wo sie waren, als sie die Nachricht vom Verlust des Systems hörten.


Fast über Nacht gingen 500 Jahre menschlicher Geschichte verloren. Heute existieren die Bewohner von Crion nur noch in historischen Aufzeichnungen und in der Erinnerung der wenigen Überlebenden. Für viele definiert dieser eine tragische Moment das System, doch Caliban ist so viel mehr. Seine lebendige und turbulente Geschichte reicht zurück bis – nun, so genau wissen wir es nicht.

Ungewisse Anfänge

Im Jahr 2341 verkaufte die Frachtkapitänin Ashley Ghan das Wissen um den Standort des Caliban-Systems an die UNE. Ghan befand sich auf einem Versorgungsflug im Nul-System, als sie in den Hinterhalt einer Piratenbande geriet. Unterlegen und unter Beschuss fuhr Ghan schnell ihren Quantumantrieb hoch und sprang davon. Während sie Scans laufen ließ, um herauszufinden, ob sie verfolgt wurde, entdeckte sie eine Anomalie, die sich als Sprungpunkt in ein neues System herausstellen sollte.

Auf einen Schlag wurde Ghan zu einer Heldin, die im ganzen Imperium bekannt war. Caliban, benannt nach Ghans Vater, war erst das sechste System, das von der Menschheit entdeckt worden war. Doch trotz Angeboten, ihre Entdeckung mit Koryphäen der wissenschaftlichen Gemeinschaft zu diskutieren und mit Werbeverträgen Geld zu verdienen, nahm Ghan still und leise ihre Belohnung entgegen und verschwand von der Bildfläche.

Als Erkunder der UNE das System kartierten, machten sie eine schockierende Entdeckung. Ein menschliches Gebäude existierte bereits auf Caliban 4f, einem Mond von Caliban IV. Zwar war dessen Bau mangelhaft, jedoch sein Standort wohl gewählt. Im Inneren befanden sich Kisten mit wertvollen Erzen, die nur durch mühevolle Ausgrabungen gefördert worden sein konnten. Dies zusammen mit anderen Hinweisen ließ Experten schlussfolgern, dass das Gebäude bereits seit Jahren dort stand.

Die Nachricht von der vorangegangenen Aktivität im System ließ einige Skeptiker an Ghans Geschichte zweifeln. Dutzende von Menschen behaupteten, der Besitzer der Hütte zu sein und dass sie daher sowohl einen Eintrag in die Geschichtsbücher als auch eine finanzielle Belohnung verdient hätten. Doch niemand besaß die Sprungdaten, um es zu beweisen. Widersprüchliche Gerüchte gingen um. Einige behaupteten, Ghan hätte ihre frühere Piratenbande hintergangen, während andere annahmen, sie wäre eine Top-Informationsagentin, die ihr anvertraute Information verkaufte, um dann den Job zu wechseln.

Schließlich erklärte sich Ghan zu einem exklusiven Interview mit Lynn Gale bereit. Die Anzahl an Zuschauern war so groß, dass einige ältere Netzwerke rund um das Imperium zusammenbrachen. Das Interview tat allerdings wenig, um die Kontroverse aufzulösen. Ghan blieb bei ihrer Geschichte und pochte darauf, einfach Glück gehabt zu haben. Dabei waren ihre Antworten unbeholfen und offensichtlich einstudiert. Scheinbar war die Entdeckung für sie ein Segen, der zu einem Fluch wurde.

Das Interesse der Öffentlichkeit nahm allmählich ab und Versuche, die Geschichte hinter der Hütte aufzudecken, blieben erfolglos. Der Menschheit erster mysteriöser Fußabdruck in dem System sollte allerdings nicht vergessen werden. Die offiziellen Dokumente der Regierung verzeichnen das Jahr 2341 als Zeitpunkt des ersten registrierten Sprungs nach Caliban und „Unbekannt“ als das Jahr der Entdeckung.

Fortschritt und Gefahr

Nach der (Neu)entdeckung des Systems begann die UNE sofort mit dem Terraforming von Crion (Caliban II). Das öffentliche Interesse an dem System war überwältigend. Nachdem der Planet für die Besiedlung freigegeben war, sollte es nicht lange dauern, bis ihn Millionen von Menschen ihr Zuhause nannten. Bis zum 18. Februar 2617 ging das Leben in Caliban seinen normalen Gang, als der große Sprungpunkt, der das System mit Nul verband, kollabierte. Glücklicherweise besaß das System immer noch eine stabile Verbindung nach Oberon und war daher nicht vom Rest des Universums isoliert. Letztendlich reformierte sich ein kleiner Sprungpunkt zwischen Caliban und Nul, der bis heute Bestand hat.

Dennoch schockierte und verängstigte dieser Vorfall viele Bewohner. Für Jahrzehnte nahm Crions Bevölkerungszahl stetig ab, da einige fürchteten, das System würde das gleiche Schicksal wie Oretani ereilen. (Oretanis einziger Sprungpunkt kollabierte, als sich Terraformer in dem System befanden; seither ist Oretani unerreichbar.) Das ominöse Ereignis legte einen Schatten über das System, doch niemand hätte ahnen können, welche  Schrecken noch bevorstanden. Im Jahr 2681 erschienen die Vanduul an Calibans Türschwelle.

Die Angriffe starteten mit kleinen Überfallkommandos. Doch im Laufe der Zeit wurden die häufigen Scharmützel zu einer alles entscheidenden Schlacht, deren Umfang bis zur kürzlichen Schlacht von Vega nicht mehr gesehen werden sollte. Am 7. Juli 2884 schlich sich ein Vanduul-Clan, der von einem gewaltigen Kingship angeführt wurde, an den Sensorbojen vorbei in das System. Der Angriff war schnell und erbarmungslos. Trotz der Anstrengungen der Marine, das System vor den skrupellosen Eindringlingen zu beschützen, und den mutigen Heldentaten der Männer und Frauen der sagenumwobenen „Lost Squad“, hatte die Menschheit letztendlich keine Wahl, als sich angesichts einer überwältigenden Militärgewalt zurückzuziehen. Seither steht das System unter der Kontrolle der Vanduul.

Reisewarnung

Aufgrund der ständigen Gefahr eines Vanduul-Angriffs rät Galactic Guide von einer Reise in das Caliban-System ab. Dieser Guide dient ausschließlich der Unterhaltung.

Caliban I 

Die Menschheit hat dieser kleinen kernlosen Welt sämtliche Ressourcen entrissen, um Crion aufzubauen. Daher schenken ihr selbst die Vanduul keine Beachtung.

Caliban II (Crion)

Crion ist eine kleine felsige Welt ideal gelegen in der habitablen Zone von Calibans Hauptreihenstern des Typs G. Sie wurde zügig terraformt und von abenteuerlustigen Menschen besiedelt, die am Rande des bekannten Universums leben wollten. Die Hauptstadt Boro wurde zu einem Anlaufplatz für Entdecker, die die westlichen Grenzen des Imperiums erkunden wollten. Im Jahr 2599 beschrieb der Reiseschriftsteller Shasta Wagner Boro als Ort mit einer „weltoffenen Erscheinung, aber einem starken Grenzcharme“.

Mit der Gefahr durch die Vanduul vergrößerte sich auch der politische Aktivismus im System. Viele Bewohner glaubten, das Messer-Regime würde Caliban absichtlich militärische Ressourcen vorenthalten, da die gelegentlichen Angriffe dazu dienten, den Ruf nach einem starken militaristischen Führer zu stärken. Doch auch nach dem Sturz der Messers mangelte es dem System an Marine-Präsenz und Warnsystemen, was, wie einige behaupten, dem schrecklichen Angriff auf das System dem Weg bereitete.

Heute ist von Crion nur noch ein zerschmettertes Skelett seiner selbst übrig. Große Landstriche wurden von vorbeikommenden Vanduul-Clans „abgeerntet“, die in das System eintreten und ihre schrecklichen Maschinen (die Harvester) auf der Oberfläche absetzen. Während sie damit fortfahren, ehemalige Städte und das Land selbst zum Wiederaufbau ihrer Flotte zu konsumieren, ist es laut Experten nur eine Frage der Zeit, bis sämtliche menschliche Spuren ausgelöscht sind.

Caliban III 

Caliban III ist ein Wüstenplanet, der zunächst nicht für das Terraforming in Frage kam. Bis Mitte des  29. Jahrhunderts hatte die Technologie jedoch einen Punkt erreicht, an dem dies möglich wurde. Der Planet war auf dem besten Weg, für Menschen bewohnbar zu werden, als die Vanduul angriffen.

Die Terraforming-Maschinerie stürzte auf die Oberfläche des Planeten und die Welt kehrt nun in ihren einstigen Zustand zurück. In der Nachbetrachtung wünschen sich viele, dass die Credits, die für das Terraforming ausgeben wurden, in die Verteidigung des Systems investiert worden wären.

Asteroidengürtel Caliban Alpha

Bevor die Vanduul das System überrannten, war dieses Asteroidenfeld reich an Ressourcen. Heute fürchten Experten, dass es die Vanduul für ihre eigenen Zwecke restlos ausgebeutet haben.

Caliban IV

Silikat und Eisen wehen durch die Atmosphäre dieses Gasriesen, was dem Planeten seine atemberaubende grau-grüne Farbe gibt.

Caliban V

Dieser Protoplanet besitzt keine Atmosphäre, muss jedoch Ressourcen enthalten, die für die Vanduul von Wert sind. Kürzlich angefertigte Dronen-Scans zeigen, wie sie auf diesem zerklüfteten Felsen Tagebau betreiben.

Stimmen im Wind

„Ich habe die Hölle erforscht. Ich habe jede Erscheinungsform dieses Ortes, wie er in der menschlichen Geschichte beschrieben wird, ausführlich untersucht. Und ich würde lieber in einer von diesen leben als in Caliban.“

- Malcolm Wallace, Theologe/Philosoph, 2914

„Aufgrund all des Dramas, das diese ganze Sache für mich verursacht hat, fange ich an zu glauben, es wäre besser gewesen, ich hätte mich in eine Hütte verzogen.“

- Ashley Ghan, Interviewausschnitt aus One and All mit Lynn Gale, 2343

Übersetzung:  Malu23   Korrektur:  Mistanuda_Spaceworks   Originaltext