Spezies-Guide: Die Vanduul

Geschichte

 

Über die Vanduul ist bisher nur sehr wenig bekannt. Die erste Begegnung der Menschen mit dieser Spezies ereignete sich, als die Vanduul das Orion-System vor 250 Jahren angriffen. Seitdem haben sich die Beziehungen zwischen den beiden Spezies nicht wirklich verbessert. Der gesamte Kontakt, den die UEE bisher mit den Vanduul hatte, war kriegerischer Natur. Nach dem Ende der Messer-Ära versuchte der neue Imperator die Gewalt zu stoppen und diplomatische Beziehungen mit den Vanduul aufzubauen. Die uneinheitliche Struktur der Vanduul-Zivilisation machte es jedoch fast unmöglich mit der Spezies als Ganzes zu verhandeln. Darüber hinaus brachten die individuellen Klans den menschlichen Botschaftern nichts als Feindseligkeit entgegen. Als Antwort auf ihre Versuche diplomatischer Annäherung wurde stets das Feuer auf sie eröffnet.

 

Bisher wissen wir nicht, warum uns die Vanduul so sehr hassen. Während es aus Sicht der UEE einfach ist, die Vanduul als Barbaren zu bezeichnen, sind sie tatsächlich weder dumm noch bloße Wilde.

 

Heimatwelt

 

Sollten die Vanduul eine Heimatwelt haben, so ist sie den Menschen nicht bekannt. Einige Wissenschaftler glauben, dass ihr Heimatplanet möglicherweise zerstört oder aufgegeben wurde und die Vanduul sich infolgedessen verstreut haben und nun ein nomadisches Leben führen.

 

 

Politisches System

 

Die Vanduul leben in einer Meritokratie. Man ist, was man erbeutet. Es gibt wenig Kommunikation zwischen den einzelnen umherziehenden Klans. Jede Flotte der Vanduul funktioniert als eine eigenständige Gesellschaft mit ihren eigenen Regeln, Gesetzen und Sitten, so wie sie vom jeweiligen Häuptling des Klans verfügt werden.

 

Aus diesem Grund ist es schlichtweg unmöglich, mit den Vanduul als Ganzes zu verhandeln oder gar mit ihnen Frieden zu schließen, da sie über keine in sich geschlossene Zivilisation verfügen.

Gesellschaft

 

Die Familienstruktur der Vanduul unterscheidet sich stark von der des Menschen. Obwohl die verschiedenen Klans ihre eigenen Bräuche haben, gibt es eine Tradition der alle Vanduul folgen. Sobald ein Kind das Erwachsenenalter erreicht (in menschlichem Maßstab im Alter von 13 bis 14 Jahren), wird es aus der Familie verbannt. Bevor es geht, fertigen die Eltern einen Dolch für ihr Kind an. Diese Waffe ist der einzige Besitz des Kindes wenn es in das Erwachsenendasein übergeht. Darüber hinaus erhalten sie von ihrer bisherigen Familie weder Geld noch Unterkunft oder Unterstützung in irgendeiner anderen Form. Alles, was der nun als Erwachsener anerkannte erreicht, nimmt seinen Anfang mit diesem Dolch.

 

Es gibt also keine Vererbung von Reichtum oder Macht. Das Kind eines Häuptlings zu sein, bringt keinerlei Vorteile. Man wird nach seinen eigenen Leistungen und nicht nach seiner Herkunft beurteilt.

 

Folglich werden diese Dolche als hoch geschätztes Eigentum angesehen, das die Vanduul bis an ihr Lebensende bei sich tragen. Während es möglich ist, eine solche Waffe legitim durch einen Kampf, Mann gegen Mann, zu gewinnen, werden die Vanduul diesen Gegenstand jedem auf die qualvollste Weise abnehmen, der ihn durch Diebstahl oder Kauf erlangt hat.

Diplomatischer Status

 

Menschen: Keiner

 

Banu: Einige Klans der Vanduul treiben mit den Banu Handel.

 

Kr'Tak: Unbekannt

Xi'An: Die Entfernung zwischen den beiden Spezies spielt zwar eine Rolle (es liegen viele unfreundliche Systeme zwischen den Vanduul und den Xi'An), aber auch sonst war der begrenzte Kontakt zwischen den beiden Spezies nicht sonderlich produktiv. Zwar haben einige Klans unverbindliche Handelsbeziehungen aufgebaut, doch die Mehrheit der Vanduul betrachtet die Xi'An als hinterlistig und feige, während die Xi'An die Vanduul als kurzsichtige barbarische Banditen ansehen.

Religion

 

Aufgrund der kulturell hohen Gewichtung des Individuums hat die Idee einer höheren Macht, die das Leben beeinflusst, es nie geschafft, in der Zivilisation der Vanduul Fuß zu fassen. Die Vanduul haben Hochachtung vor dem Einzelnen. Was in ihrer Gesellschaft einer Religion wohl am nächsten kommt, ist die Bewunderung einer bestimmten Person und ihrer Leistungen.

 

Die Jugend wird über das Leben von beispielhaften Vanduul der Vergangenheit unterrichtet, im Speziellen über die Entscheidungen, die sie trafen, und wie sie Hindernisse überwanden und sich dabei auszeichneten.

Persönlichkeitsmerkmale

 

Aus rein anthropologischer Sicht verhalten sich die Vanduul wie klassische Jäger und Sammler. Sie sind eine überaus abgeschottete Spezies und interagieren nur selten mit Individuen außerhalb ihres Klans, eingeschlossen anderer Vanduul. Sollten Sie sich in einer Unterhaltung mit einem Vanduul wiederfinden (etwa bei einem Handel), wird dieser völlig ernst sein, da die Vanduul das Austauschen von Höflichkeiten als ineffizient und beleidigend empfinden.

 

Im Kampf sind die Vanduul unermüdlich und erbarmungslos. Wenn sie angreifen, schlagen sie hart zu und lassen nie wissentlich Überlebende zurück. Im Laufe der Jahrzehnte haben sie ihre Taktik angepasst, nachdem sie die Funktion menschlicher Einrichtungen verstanden haben. Die meisten Klans greifen heute zunächst die Kommunikationseinrichtungen an und konzentrieren sich dann auf die Landezonen, um den potentiellen Widerstand, der aus der Luft kommen könnte, zu minimieren, bevor sie ihre Infanterie anlanden.

 

Ist es möglich für einen einzelnen Menschen, mit den Vanduul in Handel zu treten?

 

Ja. Wie genau sich so etwas arrangieren lassen würde, ist bisher noch nicht gänzlich geklärt, sicher ist aber, dass so ein Unterfangen extrem schwierig wäre.

Analyse eines Kriegsschiffes der Vanduul aus dem Büro für Marineäufklärung

Streng geheim!

 

Vor sechs Monaten ist ein Vorposten der UEE auf einen wahren Schatz gestoßen: ein Trägerschiff der Vanduul, fortan als X12 bezeichnet, das antriebslos nahe Garron trieb. Nachfolgende Untersuchungen haben ergeben, dass das Schiff einen katastrophalen Antriebsausfall erlitt, der den größten Teil der Mannschaftsquartiere mit tödlicher Antimateriestrahlung flutete. Dies machte es den wenigen Überlebenden unmöglich, die Selbstzerstörung zu aktivieren, um eine feindliche Übernahme des Schiffes zu verhindern. Eine Abteilung der achten UEE-Marineinfanterie-Division enterte das Schiff und überwältigte erfolgreich die verbleibende Mannschaft. Obwohl kein Vanduul für ein Verhör überlebte, hat uns das Schiff selbst mit einer Fülle von wertvollen Informationen über die Kultur und Bräuche der Vanduul versorgt. Hier ein vorläufiger Bericht:

 

Soziale Organisation

 

X12 scheint zur Goran-Horde zu gehören. Wir zögern inzwischen das Wort "Klan" zu benutzen, wenn wir uns auf die kriegerischen Horden der Vanduul beziehen, da eine eingehende Analyse mitochondrialer DNA, die auf dem Schiff gefunden wurde, eine größere genetische Vielfalt als angenommen suggeriert. Dies wirft eine Anzahl interessanter Fragen über das unbekannte Zentrum der vanduulschen Gesellschaft auf. Wir wissen zwar seit der ursprünglichen Entdeckung der Vanduul durch die Streitkräfte der UEE, dass die Vanduul genauso wahrscheinlich eine andere Horde angreifen wie eine andere Spezies, doch ist es nun eine offene Frage, wie sich diese Horden bilden. Militärische Anthropologen legen nahe, dass es eine Art Versammlung gibt, auf der die Kriegsparteien um das Recht konkurrieren, die besten und stärksten Krieger rekrutieren zu dürfen.

Jedoch ist dies zu diesem Zeitpunkt in hohem Maße spekulativ. Es besteht ebenso die Möglichkeit, dass sich die Vanduul von einer Heimatwelt aus verteilen und sich diese Horden dann ganz natürlich bilden. Bemerkenswerterweise sind alle Leichen, die von X12 geborgen wurden, männlich. Dies weist gleichfalls darauf hin, dass es irgendwo einen zentralen Sammelpunkt geben muss, an dem sich die Vanduul paaren und andere kooperative Aktivitäten stattfinden.

Sprache

 

Die Schrift der Vanduul scheint eher primitiv zu sein. Wir fanden zwar eine einheitliche Bilderschrift an einigen Segmenten des Schiffes, jedoch hat das mit der Übersetzung dieser Zeichen beauftragte exolinguistische Team von der Universität in Moskau bisher keinerlei Fortschritte bei ihrer Arbeit erzielt. Die Wissenschaftler haben keine Verbindung zwischen der gesprochenen Sprache der Vanduul und diesen Schriftzeichen entdecken können, die wie eine Mischung aus ägyptischen Hieroglyphen und Blindenschrift anmuten. Das Schiff verfügt allerdings in großem Umfang über auf Video basierende Medien. Viele davon zeigen einen einzelnen Vanduul, der direkt in eine Kamera spricht. Obwohl die Übersetzung bereits im Gange ist, wird erwartet, dass diese Arbeit aufgrund der schieren Menge an Daten mehrere Jahre in Anspruch nehmen wird. Leider haben wir es bisher noch nicht vermocht, eine Art Stein der Weisen zu finden, der uns diese Aufgabe erleichtern würde.

 

Interessanterweise ist die Videotechnologie der Vanduul recht primitiv. Die Ausstattung von X12 beinhaltet einfache 2D-Monitore mit niedriger Auflösung und einem deutlichen Grünstich. Verglichen mit den modernen hochauflösenden holografischen Aufnahmen, die von allen anderen bekannten Spezies genutzt werden, ist der Gegensatz geradezu frappierend. Da der generelle technologische Entwicklungsstand der Vanduul allerdings sehr hoch ist und sie seit Generationen durch ihre Überfälle mit der Technologie anderer Spezies in Kontakt gekommen sind, wird spekuliert, dass dies beabsichtigt und möglicherweise sogar eine Notwendigkeit für die einzigartig strukturierten Augen der Vanduul ist.

 

Artefakte

 

Die Manschaftstärke von X12 betrug in etwa 1400 Vanduul. Die überwiegende Mehrheit von ihnen hatten ihre Unterkünfte dicht an dicht rund um den Antrieb des Schiffes verteilt. Leider war nur wenig aus dieser Sektion für unsere Streitkräfte verwertbar. Im Bug des Schiffes gab es jedoch sechs Kabinen, aus denen eine Vielzahl von interessanten Artefakten geborgen werden konnte. Durchsuchungen dieser privaten Unterkünfte, die dem Kapitän, dem ersten Offizier und einigen erfahrenen Piloten zugewiesen werden konnten, haben vor allen Dingen die Vorliebe der Vanduul für Trophäen bestätigt. Diese Trophäen scheinen nach Spezies geordnet zu sein. So nannte ein Krieger dutzende Vasen der Banu sein eigen, während ein anderer eine kleine Sammlung von Ringen aus der Kultur der Xi'An besaß. Unheimlicherweise wurden im Quartier des Kapitäns dutzende gebleichter menschlicher Armknochen gefunden, die er an den Wänden ausstellte. Die kulturelle Bedeutung dieser Zur­schau­stel­lung ist unbekannt, doch eines scheint klar: Diese Gegenstände wurden nicht durch Handel erworben.

 

Die Innenausstattung des Schiffes ist überraschend abwechslungsreich. Ein großer Teil der Oberfläche des Innenraumes ist offenliegende Panzerung. Die Metalle der Vanduul haben oft eine leichte Verfärbung, ein Hinweis auf Verunreinigungen im Eisen, die scheinbar im Herstellungsprozess auftreten. Bestimmte Räume sind mit aufwendigen Mustern bemalt. Ein Raum zum Beispiel, dessen Wandmalerei in rosa aufblühende Bäume darstellt, scheint eine Art Entspannungsbereich zu sein, inklusive Gerätschaften für das Krafttraining und einem Badebereich.

 

Analysen persönlicher Gegenstände bekräftigen die Bedeutsamkeit des Dolches in der Kultur der Vanduul. Eine große Anzahl von Mannschaftsmitgliedern starb mit ihren kunstvoll verzierten und dennoch funktionalen Klingen in der Hand. Metallurgische Untersuchungen lassen vermuten, dass alle Dolche zwar einen gemeinsamen Ursprungsort haben, aber von verschiedenen Herstellern produziert wurden. Einige Wissenschaftler vermuten, dass jeder Vanduul seine Waffe selbst herstellt. Denn die Dolche, die auf dem Schiff gefunden wurden, schienen perfekt auf die Hände ihrer Besitzer zugeschnitten worden zu sein. Ebenso findet man viele Darstellungen dieser Waffen in den Medien der Vanduul und auch ihre Quartiere sind oftmals mit Dolchmotiven ausgeschmückt. Ein Raum, der sich den Spitznamen "die Kapelle" verdiente, ist mit aufwendigen gläsernen Dolchbildnissen dekoriert, welche mit der Klinge, die in der Kabine des Kapitäns gefunden wurde, identisch sind.

Raumschiffe

 

Das Vanduul-Trägerschiff X12 wurde zur Prüfstelle der Marine auf Centauri für weitere Untersuchungen geschleppt. Ingenieure der Marine berichten, dass der Schaden, den das Schiff durch die Explosion des Reaktors erlitt, zu groß war, um es je wieder in Dienst stellen zu können. X12 hat in etwa die gleiche Tonnage wie die Indefatigable-Klasse der UEE. Durch die starke Panzerung wurde der Schaden, den die Explosion verursachte, wahrscheinlich noch vergrößert. Das mehrlagige System, das imstande war, das Schiff gegen drei oder vier Torpedotreffer zu schützen, hatte die interne Explosion nach innen, in Richtung der tiefer liegenden Decks, gelenkt.

Was die Bestückung mit Jägern angeht, stellt X12 sogar einen Träger der Bengal-Klasse in den Schatten. Das Schiff ist mit etwa dreihundert der heute als "Scythe" bekannten Jäger ausgestattet. (Der offizielle Name, Frank, konnte sich jenseits des Militärs nicht durchsetzen.) Allerdings kaum einhundert davon waren tatsächlich kampfbereit. Der Rest wurde unter Deck verstaut und als Ersatzteillager genutzt. Während eines Angriffes konnte also nur ein Drittel dieser Jäger tatsächlich eingesetzt werden. Auf Geheiß des Senates wurde die Mehrheit der Jäger an private Firmen verkauft, um wichtige öffentliche Projekte finanzieren zu können. Der Geheimdienst der Marine hält jedoch weiterhin eine Schwadron Scythe für Übungen und mögliche verdeckte Operationen bereit.