A Separate Law: Episode 10


„Das war's“, sagte Ferrara, wobei das angestrengte Brummen seines Traktorstrahlgenerators die Aussage unterstrich.

„Sehr gut, Kapitän.“ Gates versuchte, nicht auf die klaffende Wunde im Cockpit der 325a zu schauen. Er musste seine Hände bewusst entspannen, die sich beim Anblick des Wracks geballt hatten.

Kaum zu glauben, dass ich das überlebt habe.

„Verdammt, die hat aber ganz schön was abgekriegt“, bemerkte Ferrera, als er die Anzeigen ablas.

„Ja, das hat sie.“ Gates war überrascht, wie ruhig seine Stimme blieb.

„Irgendeine Ahnung, was–“

Gates sprach über den Bergungsarbeiter hinweg: „Ich habe eine Ahnung, sicher: Es hat damit zu tun, dass Sie Fragen stellen, obwohl Sie zugestimmt haben, es nicht zu tun. Sowie mit den Bestimmungen unseres Vertrags, die es mir erlauben, für jede einzelne Frage, die Sie stellen, etwas von Ihrem Honorar abzuziehen.“

Ferrera schloss den Mund und machte sich an den Navigationscomputer.

Gates spürte einen Hauch der Reue. Er sollte nicht so hart zu dem Arbeiter sein, denn er könnte noch dessen guten Willen brauchen, bevor alles erledigt ist.

Nachdem er den Kurs zurück zu seiner Station eingegeben hatte, sprach Ferrera. „Es wird einen Tag oder so dauern, bis ich sie in die Werkstatt bringen kann.“

„Das geht in Ordnung. Irgendwelche Nachrichten von der Werkstatt?“

„Nein, ihre Lieferungen sind noch nicht eingetroffen.“

Gates nickte. Gut. Ich will nicht, dass das Zeug da ist, bevor ich vor Ort bin, um das Auspacken zu überwachen und selbst mit den Reparaturen zu beginnen.

Ich hätte nie gedacht, dass ich Special Agent Constantine mal dankbar sein würde, dass er mich aus dem Flugteam von Special Action abgezogen und dazu gezwungen hat, in der Abteilung Wartung und Reparatur der Black Box zu arbeiten. Er kämpfte einen Moment damit, sich zu erinnern, was er getan hatte, um diese besondere Strafe zu verdienen. Ach ja, der Hadrian-Vorfall...

Als er in die Gegenwart zurückkehrte, driftete Gates Blick wieder zum Cockpit der 325a. Er unterdrückte ein Erschauern und verschränkte die Arme vor der Brust.

Reiß dich zusammen, Gates. Les Inconnus hat dir einen Gefallen getan – die Reparaturen werden einfacher sein, da der größte Teil der Panzerung bereits abplatzt oder abgebrannt ist.

Irgendwie war das ein schwacher Trost.

Sechsunddreißig Stunden später war das Cockpit der 325a wiederhergestellt und Gates machte sich daran, den Wohnraum mit Luft zu befüllen. Es war nicht schön, aber funktionell.

Er hatte eine von Ferreras Bergungsboxen für sich allein und hielt sie drucklos und schwerelos, um sicherzustellen, dass niemand einfach hineinkam.

Gates hatte festgestellt, dass ihm die herausfordernde körperliche Arbeit dabei half, die Angst zu verdrängen, die das Tragen eines Druckanzugs in ihm auslöste. Er mochte nicht daran denken, wie er reagieren wird, wenn er wieder in den Pilotensitz steigt.

Wenn das hier vorbei ist, werde ich einen langen Urlaub brauchen.

In der Zwischenzeit aktivierte Gates das Lebenserhaltungssystem. Es leuchtete konstant gelb, was anzeigte, dass das System den Innenraum mit atembarer Luft gefüllt und keine Lecks entdeckt hatte. Er kletterte um dem Rumpf zum Flügel und begutachtete den Ort seines nächsten Projekts – die beschädigten Raketengestelle.

„Herr Zerezghi?“, knisterte das Kommunikationsgerät an seinem Anzug mit dem Decknamen, den Gates verwendete.

„Ja?“

„Ihre Teile sind angekommen.“

„Gut. Schieben Sie sie in die Luftschleuse und überlassen Sie den Rest mir, ich kümmere mich darum.“

„Wird gemacht, Herr Zerezghi. Haben Sie Hunger?“

Gates wurde bewusst, dass er seit seinem Arbeitsbeginn vor etwa acht Stunden nichts gegessen hatte. „In einer Stunde oder so. Ich prüfe gerade die Lebenserhaltung.“

„Sie arbeiten schnell.“

„Keine andere Wahl.“

„Alles klar. Ich mache Ihnen in einer Stunde etwas fertig.“

„Danke.“

Gates warf den leeren Lebensmittelkarton in den Recycler und aktivierte sein MobiGlas. Er hatte zwei neue Nachrichten. Die erste war von Angelique:

Ich bin dran, Armi. Meine Freundin hat sich ein bisschen erschrocken, als ich sie danach fragte, und sagte, der Mann wird von ganz oben beschützt. Ich lasse dich wissen, sobald ich etwas erfahre.

Das Postskriptum war interessant: Oh, und du kannst mir gratulieren – ich habe es geschafft, mit dem Zeug aufzuhören.

Gut für dich, dachte Gates und sagte ihr dies auch in seiner Rückmeldung, die er auf der Toilette sitzend schrieb.

Die zweite Nachricht war von Seabrook. Gates’ MobiGlas benötigte einen Moment, um die stark verschlüsselte Nachricht zu verarbeiten: Gates, ich weiß, wir sollen nicht miteinander reden, aber wenn diese Nachricht abgefangen wird, müssen wir denjenigen einstellen, der das fertiggebracht hat! Antworte aber nicht. Deine lausige Verschlüsselung würde sofort geknackt werden. Wie auch immer, ich musste es dir sagen: Strollers Verhör führte zu einem weiteren Namen, einem hochrangigen Killer von Les Inconnus namens Jahangir Kung. Alles deutet darauf hin, dass er der „Sicherheitsdienstleister“ ist, der die Agenten Nawabi und Knowles enttarnt und meiner Meinung nach umgebracht hat. Er ist außerdem als Sicherheitschef der White Stag gelistet.

Zur anderen Sache: Ich habe dir die Mittel besorgt, die du für deinen „großen Kauf“ benötigst (ich glaube nicht, dass ich darüber Einzelheiten wissen will). Aber ich habe meine Möglichkeiten nun komplett ausgeschöpft.

Du bist auf der richtigen Spur. Viel Glück.

Lächelnd war Gates in wenigen Minuten wieder an der Arbeit.

Luft zischte aus Gates’ geliehenem Druckanzug.

Das ist wirklich mal ein Weckruf, du Schwachkopf!

Das Zischen wurde zu einem hohen Quietschen, dann hörte es ganz auf, als der Anzug sich selbst versiegelte.

Ich überanstrenge mich. Bin zu müde. Gähnend hatte er den Schneidbrenner losgelassen und ein Loch in den gegenüberliegenden Ärmel gebrannt.

Mit zitternden Händen schaltete er den Schneidbrenner aus.

Glücklicher, dummer, ungeschickter, müder, alter Mann. Zeit, Feierabend zu machen.

Jedes einzelne seiner vielen Jahre in seinen Knochen spürend verließ Gates den Hangar.

Er schlief acht Stunden durch, stand auf und war innerhalb einer Stunde wieder bei der Arbeit.

Die Raketengestelle waren nur noch verschmolzener Schrott, also schnitt er sie einfach los. Ferrera konnte später das Material einsammeln und wiederverwenden.

Er verschwendete die nächsten Stunden mit dem Versuch, die neuen Gestelle zu montieren, bis ihm klar wurde, dass er die Pläne falsch gelesen hatte. Fluchend korrigierte er den einfachen Fehler und verband die Gestelle mit dem Schiff.

Die Manövrierdüsen standen als nächstes auf der Liste. Vier von ihnen mussten verschrottet werden und zwei waren in schlechtem Zustand. Ferrera hatte drei neue Düsen besorgt und ein Paar geborgene, die Gates lieber nicht verwenden wollte.

Der Hauptantrieb war wie durch ein Wunder nicht direkt im Kampf beschädigt worden. Die Verbindung zum Computer war jedoch beschädigt und musste ersetzt werden.

Sein Kommunikator aktivierte sich: „Noch eine Sendung, Herr Z.“

„Dieselbe Routine, bitte.“
„Diese Sendung rühre ich nicht an, Herr Z.“

„Oh?“

„Meine Gefahrgutdetektoren zeigen an, dass es sich bei dem Inhalt um Militärsprengstoff handelt. Und zwar eine ganze Menge.“

„Ich kümmere mich darum, danke.“ Bevor er ging, vergewisserte er sich, dass die Manövrierdüse korrekt platziert war.

„Diese Ausrüstung hat es ganz schön in sich, Herr Z.“

„Ich weiß. Für mein Vorhaben werde ich sie brauchen.“

„Ich sag ja nur.“

„Und ich höre Sie. Es gibt nichts, was auf Sie zurückgeführt werden könnte.“

„Sie haben leicht reden.“

„Ich meine es ernst.“

Ferrera zuckte mit den Schultern. „Noch einmal: Es ist nicht Ihr Arsch, der auf dem Spiel steht, wenn es anders ist.“

Gates streckte den Nacken, versuchte sich zu entspannen, sich zu zwingen, seinem Instinkt zu widerstehen. Stattdessen sagte er: „Ferrera, ich gebe Ihnen mein Wort, das wird nicht auf Sie zurückfallen.“

Ferrera hielt inne. Er hatte zu spät gemerkt, dass er Gates dazu gebracht hatte, ihn als potenzielles Problem zu betrachten. Probleme hatten bei solchen Dingen normalerweise einfache, tödliche Lösungen.

„Es tut mir leid, Herr Z. Es ist mein natürlicher Zustand, mir Sorgen zu machen.“

„Das verstehe ich, und ich kann nur sagen, dass ich alles in meiner Macht stehende tun werde, um sicherzustellen, dass das nicht auf Sie zurückfällt.“ Gates zeigte mit dem Daumen auf seine Brust. „Und ich mache das schon eine Weile.“

Ferrera sah Gates eine ganze Weile an, nickte aber schließlich. „Ich akzeptiere Ihr Wort. Es tut mir leid, dass ich an Ihnen gezweifelt habe.“

„Ich verstehe Ihre Sorge. In achtundvierzig Stunden sind Sie mich los, vorausgesetzt, der Testflug verläuft problemlos.“

„Möchten Sie etwas essen?“, fragte Ferrera.

Gates nahm den Olivenzweig an.

Eine Stunde später war er wieder bei der Arbeit und hängte sich noch mehr rein. Ferrera wird mich wahrscheinlich nicht verraten, aber je schneller ich hier weg bin, desto besser für alle.

Die einzelnen Manövrierdüsen waren nicht allzu schwierig zu installieren, aber sicherzustellen, dass sie richtig mit dem Computer verbunden waren, war zeitaufwendig. Gates gelang es, die neuen Düsen zu installieren und zum Laufen zu bringen. Die beiden Düsen, die er zu reparieren gedachte, erwiesen sich als nicht mehr zu retten. Enttäuscht machte er sich daran, die gebrauchten von Ferrera zu installieren. An der ersten musste er erst etwas herumschrauben, bevor sie richtig funktionierte. Die zweite passte auf Anhieb perfekt, was ihn überraschte.

Trotz der späten Stunde begann Gates mit den Waffensystemen. Eine der Omnisky VII war völlig hinüber und zwei der anderen waren außer Betrieb, weil die Energiekupplung zerstört war. Die neue Kanone erwies sich als schwieriger zu ersetzen als die Kupplung, aber nicht viel.

Der Mass Driver hatte Probleme mit der Munitionszufuhr, was ihn den ganzen nächsten Tag und bis weit in die nächste Nacht hinein beschäftigte, bevor er eine Lösung fand.

Die erweiterte Sensorensuite war kaputt, aber er schaffte es, die grundlegenden Feuerleit- und Navigationssensoren wieder zum Laufen zu bringen, indem er einfach das gesamte System austauschte.

„Sie ist startklar“, sagte Gates, als sein Gastgeber die Kombüse betrat. Er hatte sich die Zeit genommen, das Frühstück für sie beide zu richten.

„Früher als geplant?“. fragte Ferrera und wischte sich den Schlaf aus den Augen. „Haben Sie schon mal darüber nachgedacht als Bergungsarbeiter zu arbeiten? Ich könnte jemanden gebrauchen, der so hart arbeitet wie Sie.“

„Ich werde das Angebot im Hinterkopf behalten, wenn ich wieder in der Gegend bin“, sagte Gates. Ich könnte vielleicht tatsächlich Arbeit gebrauchen, falls ich es überlebe. Eine Suspendierung ist wahrscheinlich die geringste der Strafen, die mir drohen, wenn Angelique mir nach all dem nicht helfen kann.

„Werden Sie sie probefliegen?“

„Ja, aber wenn keine weiteren Reparaturen notwendig sind, komme ich nicht wieder", sagte Gates und hielt ihm einen Kaffee hin.

Ferrera grinste, als er das Getränk entgegennahm. „Wenn Sie die Reparaturen vermasselt haben, können Sie vielleicht gar nicht mehr zurückkommen.“

Das löste ein Lachen in Gates aus. „Stimmt.“

„Haben Sie du alles, was sie brauchen?“

„Ja. Und ich habe Ihnen einen kleinen Bonus dagelassen, für Ihre Mühe.“

„Danke. Unnötig, aber danke.“

„Sie haben alles getan, worum ich Sie gebeten habe, und zwar ohne zu klagen.“

Wieder ein Grinsen. „Mehr oder weniger.“

Gates antwortete mit einem eigenen Lächeln. „Ja, mehr oder weniger.“

Der 325a flog genauso gut wie zuvor, es war sein eigener Geisteszustand, der ihn beunruhigte. Niemals war es so nervös gewesen, nur weil er einen verdammten Fluganzug angezogen hatte. Das passiert mir besser nicht, wenn es in den Kampf geht. Ich muss bereit sein…


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Autor:  Griffin Barber   Übersetzung:  Malu23   Korrektur:  Parnyr   Originaltext von CIG