Congress Now: 23.08.2946 - Änderungsantrag "Zweckmäßige Synthworld"



UEE-Kongress
(396)  

23.08.2946 SET (Standard-Erdenzeit)

Automatisches Sitzungsskript

Geprüft und Bestätigt – Archivar Yates (#57573BDF)

23.08.2946_09:04 – Sitzung beginnt

Vorsitzender Marshall Madrigal (U-Borea-Magnus-System):
Könnten alle Senatoren bitte Ihre Plätze einnehmen? 

<Pause> 

Vorsitzender Marshall Madrigal (U-Borea-Magnus-System): Vielen Dank. Da wir beschlussfähig sind, eröffne ich formell die Sitzung. Es können nun neue Angelegenheiten vorgebracht werden.

Senatorin Rachel Lester (T-Vann-Croshaw-System): Herr Vorsitzender …

Vorsitzender Marshall Madrigal (U-Borea-Magnus-System): Frau Senatorin Lester, Sie haben das Wort.

Senatorin Rachel Lester (T-Vann-Croshaw-System): Vielen Dank, Herr Vorsitzender. Vor 18 Monaten hat die Concerned Citizens Foundation (Stiftung „Besorgte Bürger“) ein ambitioniertes Projekt in Gang gesetzt, um alle Ausgaben der Regierung des Fiskaljahres 2944, welche die Synthworld betreffen, zu identifizieren und einzeln aufzuschlüsseln. Eine mutige und undankbare Aufgabe, die aufgrund mangelnder Unterstützung von Seiten der Regierung nur noch weiter erschwert wird.

Letzte Woche hat die CCF ihren Bericht veröffentlicht, welchen ich an alle Mitglieder des Senats weitergeleitet habe. Für diejenigen, die diesen noch nicht gelesen haben, möchte ich ihn kurz zusammenfassen. Der Bericht beschreibt detailliert fahrlässige Managementstrategien, empörende Zulassungsverfahren und eine Vielzahl subventionierter Aufträge, die nur eine geringfügige Bedeutung für das Projekt als Ganzes hatten. Die schiere Menge an Aufwendungen, die nicht verifiziert oder gar nachvollzogen werden konnten, ist bestenfalls schockierend und schlimmstenfalls unverblümte Korruption.

15 Millionen Credits Steuergelder sind futsch, weil jemand die falschen Schrauben bestellt hat. Weitere sechs Millionen wurden ausgegeben, um voll funktionstüchtige Holomonitore zu ersetzten, welche weniger als zwei Jahre alt waren. Dies alles sind Credits, die dafür hätten verwendet werden können, um mehr Lebensmittel nach Hyperion zu senden oder die Sicherheit für die Bewohner des Nexus-Systems zu verbessern.

Kurz gesagt, die Menschen unseres großartigen Imperiums leiden und wir alle wissen, dass es dieser Regierung an den benötigten Mitteln fehlt, um alle Probleme anzugehen. Diese finanzielle Belastung zwingt uns zu schwierigen Entscheidungen. Fokussieren wir uns auf die Sicherheit der Systeme, so dass unsere Bürger sicher und ohne Angst vor Angriffen durch Piraten zwischen den Welten reisen können? Stärken wir das Sozialwesen, damit die Waisen des Vanduul-Krieges die Unterstützung erhalten, die sie verdienen? Weisen wir Gelder zu, um die nötige Infrastruktur zu errichten, die den Bewohnern von Tram sicheres und sauberes Wasser zur Verfügung stellt?

Oder bleiben wir beim Status quo, bei dem Millionen von Credits für die Synthworld mit kaum oder keiner Aufsicht ausgegeben werden?

Angesichts dessen habe ich den Änderungsantrag Zweckmäßige Synthworld verfasst, bezeichnet als AV4-3223, der darauf abzielt, die Rechenschaftspflichten der Project Archangel Initiative durch Änderung der Haushaltsmittelzuweisung von „festgeschrieben“ auf „nach Ermessen“ zu verschärfen. Also statt festzuschreiben, dass ein bestimmter Prozentsatz des Gesamtbudgets jährlich für die Synthworld ausgegeben werden muss, ändert mein Antrag dies zu einer Ausgabenpolitik nach eigenem Ermessen, was den Haushaltsausschuss dazu ermächtigt, dessen Budget jedes Jahr zu prüfen und zu genehmigen.

Auf diese Weise können wir nun wirklich etwas unternehmen, wenn Berichte wie der, der von  CCF veröffentlicht wurde, eine fahrlässige Ausgabenpolitik aufdecken. In diesen wirtschaftlich angespannten Zeiten ist es wichtiger denn je, sicherzustellen, dass jeder einzelne Credit, der von der Regierung ausgegeben wird, nutzbringend verwendet wird.

Vielen Dank. Ich verzichte auf den Rest meiner Redezeit.

Vorsitzender Marshall Madrigal (U-Borea-Magnus-System): Vielen Dank, Frau Senatorin. Archivar, bitte fügen Sie AV4-3223 den Aufzeichnungen hinzu.

Archivar Yates: Ja, Herr Vorsitzender.

Senator Octavia Beate (U-Asura-Ferron-System): Herr Vorsitzender, wenn ich dürfte…

Vorsitzender Marshall Madrigal (U-Borea-Magnus-System): Herr Senator Beate, Sie haben nun das Wort.

Senator Octavia Beate (U-Asura-Ferron-System): Oberflächlich betrachtet, hört sich der Vorschlag der Senatorin vernünftig an – ein Beispiel guter Staatsführung. Aber täuschen Sie sich nicht, es ist ein trojanisches Pferd. Letztes Jahr wurde Senatorin Lesters Aussage in der Terra Gazette zitiert, dass die „Synthworld die menschliche Hybris symbolisiert“ und dass sie gegen das Projekt gestimmt hätte, wäre sie ein Mitglied des Senats gewesen, als es das erste Mal vorgeschlagen wurde.

Also ist es ziemlich eindeutig, dass es bei diesem Änderungsantrag nicht wirklich darum geht, mehr Kontrolle über die Synthworld zu erlangen. Es geht darum, das gesamte Projektbudget jedes Jahr auf die Schlachtbank zu legen, was die hart arbeitenden Wissenschaftler und Forscher dazu nötigt, jede einzelne Ausgabe zu rechtfertigen - jedes Jahr - anstatt sich auf die gewaltige Aufgabe zu konzentrieren, die ihnen übertragen wurde. Auf diese Weise können Senatorin Lester und andere von dieser Anti-Synthworld-Fraktion es langsam ausbluten lassen und dessen Finanzierung in eigene Lieblingsprojekte umleiten, bis nichts mehr übrig ist. Ihr Ziel ist es letztlich, dem Senat keine andere Wahl zu lassen, als dieses ambitionierte Vorhaben gänzlich einzustellen.

Imperator Corbyn Salehi war bezüglich genau dieses Szenarios beunruhigt, als er erstmalig das Projekt Archangel vorschlug. Er verstand, dass solch ein monumentales Projekt ein beispielloses Engagement seitens der Regierung erfordern würde, jedoch unzähligen Politikern die Standhaftigkeit und der nötige Weitblick fehlen würden, welche für den Erfolg der Synthworld nötig wären – Politiker, die sich mehr um ihre Wiederwahl kümmerten, als darum, was das Beste für ihr Volk wäre.

Genau deshalb hat Imperator Salehi dafür gekämpft, dass die Finanzierung der Synthworld festgeschrieben ist. Es war der einzige Weg, sicherzustellen, dass das Projekt nicht Jahr für Jahr den Launen des Haushaltsverfahrens ausgesetzt ist. Solch ein Projekt kann nur gelingen, wenn jeder Beteiligte darauf vertrauen kann, dass die benötigten Mittel zur Verfügung gestellt werden.

Kurz gesagt, das Gelingen der Synthworld beruht auf zweierlei Dingen: die Kraft unserer Überzeugung und die Bereitschaft des Imperiums, die Kosten des Projekts zu tragen. Den Zuweisungsstatus von festgeschrieben auf nach Ermessen zu ändern, gefährdet Letztere dieser beiden Voraussetzungen und ich befürchte, dass es schließlich unsere Entschlossenheit schmälern wird, diese außergewöhnliche Meisterleistung der Ingenieurskunst zu vollbringen.

Deshalb bitte ich Sie, diesen Änderungsantrag zurückzuweisen. Unterstützen Sie mich dabei, Imperator Salehis ursprüngliche, mutige Vision der Synthworld zu würdigen. Vielen Dank.

Senatorin Rachel Lester (T-Vann-Croshaw-System): Eins vorab, das Zitat, worauf sich Senator Beate bezogen hat, war aus einem ausführlichen Interview mit der Terra Gazette. Während ich tatsächlich angemerkt hatte, dass ich wahrscheinlich nicht für die Synthworld gestimmt hätte, wäre ich damals im Dienst gewesen, habe ich anschließend dargelegt, dass es bereits eine Vielzahl an Planeten und Monden gibt, auf denen man bei einem stundenlagen Überflug keiner Menschenseele begegnet. Bei all diesem unerforschten und unerschlossenen Land da draußen – warum sollten wir von Grund auf eine neue Welt erbauen, sofern es nicht absolut notwendig ist?

Aber das war eine Antwort auf eine hypothetische Frage. Im Augenblick beschäftigt mich eher die Realität, mit der wir alle konfrontiert sind. Wie das alte Sprichwort lautet: „Die Zeiten haben sich geändert“. Wir sind ein ganz anderes Imperium in einer ganz anderen Position, als wir es noch im Jahre 2872 gewesen sind. Damals war der Konflikt mit den Vanduul auf sporadische Überfälle beschränkt, keineswegs vergleichbar mit der Militärkampagne, an der wir derzeit beteiligt sind. Zu der Zeit hatte die UEE ein neues Leih- und Pachtprogramm mit den Xi’An genehmigt, das Möglichkeiten für Corporate Ventures zwischen unseren beiden großartigen Zivilisationen eröffnete. Es war eine gute Zeit.

Ich bin mir sicher – wenn einige der Senatoren heute hier wären, würden sie ihre Abstimmung überdenken. Sie würden erkennen, dass inzwischen fast ein Jahr her ist, als die Angriffe auf Aremis einen großen Teil des Planeten zerstörten. Dennoch werden aufgrund des vorgeschriebenen Zuweisungsstatus der Synthworld im kommenden Fiskaljahr weitere Mittel der UEE für die Erschaffung eines künstlichen Planeten verwendet, statt einen wieder aufzubauen, auf dem Menschen seit über 500 Jahren gelebt haben.

Dieser Antrag ist nicht irgendeine geheime Verschwörung, um die Synthworld zu zerschlagen. Es ist ein Appell an diesen Senat, die Ausgaben dieses ambitionierten Projekts in Einklang mit den vielen anderen Prioritäten des Imperiums zu bringen. Jedoch kann das nicht erreicht werden, bis der Haushaltsmittelstatus geändert wird. Ungeachtet dessen, was die anderen sagen – dies ist wahrlich alles, worum es in diesem Änderungsantrag geht.

Vorsitzender Marshall Madrigal (U-Borea-Magnus-System): Möchten noch andere Senatoren ihre Meinung zu AV4-3223 einbringen, bevor wir darüber abstimmen, ob wir  den Antrag an den Ausschuss übergeben?

<Pause>

Vorsitzender Marshall Madrigal (U-Borea-Magnus-System): So einige, wie ich sehe. Lassen Sie uns eine fünfminütige Pause einlegen, um die Reihenfolge der Wortmeldungen ordnungsgemäß zu organisieren.

<Hammerschlag>

Ende des Protokollauszuges

Übersetzung:  Manwe   Korrektur:  Malu23   Originaltext